Herbert Brandl - Österreichischer Pavillon - 52. Internationale Kunstausstellung - La Biennale di Venezia
Herbert Brandl zeigt in seiner Ausstellung im österreichischen Pavillon dreizehn Gemälde. Sie sind durchwegs 2007 eigens für den Pavillon entstanden und weisen unterschiedlichste Formate auf. Der Künstler, 1959 in Graz, Steiermark geboren und in Wien lebend, ist durch eine Reihe bedeutender Einzel- und Gruppenausstellungen einem internationalen Fachpublikum bereits als einer der originärsten und kraftvollsten Maler der letzten Jahre bewusst geworden. Seine Einzelausstellung an der Biennale von Venedig vermittelt eine große malerische Geste bei einem breiten persönlichen Repertoire.
Herbert Brandl hat den Pavillon bewusst nicht auf eine Serie, auf ein erkennbares malerisches Konzept angelegt, sondern der Vielfalt seiner Malerei und der malerischen Möglichkeiten insgesamt Raum gegeben. Besonders zum Ausdruck kommt die souveräne Bewältigung auch monumentaler Bildformate und die sehr zeitgenössische Darstellung von Kräften und visuellen Erfahrungen unserer Gegenwart gerade im Medium der Malerei. Insgesamt werden auf den Gemälden alle Buntfarben durchgespielt. Die Hängung der Bilder im Pavillon ist auf Dialoge über die Unterschiedlichkeit der Gemälde hinweg aufgebaut.
„Ich habe mich für Herbert Brandl entschieden, weil er sich seit Jahren ein Werk von Weltrang erarbeitet hat und eine große Risikobereitschaft zusammen mit einem überaus sicheren künstlerischen Gefühl besitzt. Das volle Risiko, das ich insgeheim von ihm erwartete, ist Herbert Brandl auch bei der Umsetzung des Pavillons eingegangen. Es ist in gewisser Weise völlig verrückt und gewagt, eine Ausstellung in diesem Pavillon über derart unterschiedliche Bilder und Formate anzugehen. Dies zeigt aber die Dimension, die Brandl seiner künstlerischen Arbeit gibt. Das Ergebnis ist eines der dichtesten, vielfältigsten und in der Erinnerung nachwirkenden Erlebnisse der Malerei, denen ich überhaupt begegnet bin“, meint Robert Fleck, Kommissär des österreichischen Pavillons der 52. Internationalen Kunstausstellung der Biennale von Venedig.
Ein im Freien hängendes Gemälde bezieht den Innenhof des Pavillons – ursprünglich als Skulpturenhof angelegt – in die Ausstellung ein. Dies schafft - ungeachtet des länglichen Grundrisses der Hauptsäle des Pavillons - eine freie Zirkulation zwischen den Bildern und zwischen den räumlich gleich berechtigten Sälen im Innen- und Außenraum.
Für die Ausstellung wurden im Innenraum des österreichischen Pavillons mehrere architektonischen Modifikationen vorgenommen. In den beiden großen Haupträumen wurde das „Velum“ (weiße Textilfläche) wieder angebracht, die Josef Hoffmann, der Architekt des Pavillons im Jahre 1934, in seiner Zeit als österreichischer Biennale-Kommissär (1948-1956) verwendete. Im gesamten Pavillon wurde ein neuer, hellgrauer Boden eingezogen, um das venezianische Licht und die Wand- und Bilderfarben besser zur Wirkung kommen zu lassen. Die Eingangssituation wurde völlig umgebaut, um beruhigte Situationen für die Malerei zu schaffen. Der von Josef Hoffmann 1954 konzipierte Innenhof wurde durch das im Freien hängende Gemälde in die Ausstellung einbezogen.
Die Gemälde sind sowohl dem abstrakten als auch dem figurativen Bereich zuzuordnen. Die durch die ständige Gradwanderung zwischen beiden Tendenzen geschaffenen Möglichkeiten kommen in den Bildern für Venedig intensiv zum Ausdruck. Die auf den ersten Blick gegenstandslos wirkenden Gemälde lassen figurale Bildgedanken – in den meisten Fällen durch distanzierte Erinnerung an fotografische Bilder - durchscheinen. In der Malerei dieses Jahrzehnts, die von einem scharfen Gegensatz von figurativen und abstrakten Ansätzen beherrscht wird, stellt Brandls persönliche Aufhebung dieses Gegensatzes, seine souveräne Verbindung von Abstraktion und Figuration eine bedeutende Vision über die reine Aktualität des Mediums hinaus dar.
Künstler: Herbert Brandl, geb. 1959 in Graz (Steiermark), lebt in Wien. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen. Beteiligung an der „documenta 9“, Kassel 1992. Seit 2004 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf.
Kommissär: Robert Fleck, geb. 1957 in Wien. Österr. Bundeskunstkurator 1991-1993. Seit 2004 Direktor der Deichtorhallen Hamburg. Mitglied der Auswahlkommission für den französischen Pavillon in Venedig (2003 Vorschlag Annette Messager und 2006 Vorschlag – mit Christine Macel – Sophie Calle).
⇒ Der österreichische Pavillon
⇒ Künstler und Kommissäre der letzten 30 Jahre
⇒ Wie entsteht ein Biennale-Pavillon? (Jan. 2007)
⇒ Was bringt ein Nationalpavillon? (Feuilleton, Februar 2007)
⇒ Geschichte des österreichischen Pavillons an der Biennale in Venedig (Feuilleton März/April 2007)
⇒ Herbert Brandl - Österreichischer Pavillon - 52. Internationale Kunstausstellung - La Biennale di Venezia
Herbert Brandl zeigt in seiner Ausstellung im österreichischen Pavillon dreizehn Gemälde. Sie sind durchwegs 2007 eigens für den Pavillon entstanden und weisen unterschiedlichste Formate auf. Der Künstler, 1959 in Graz, Steiermark geboren und in Wien lebend, ist durch eine Reihe bedeutender Einzel- und Gruppenausstellungen einem internationalen Fachpublikum bereits als einer der originärsten und kraftvollsten Maler der letzten Jahre bewusst geworden. Seine Einzelausstellung an der Biennale von Venedig vermittelt eine große malerische Geste bei einem breiten persönlichen Repertoire.
Herbert Brandl hat den Pavillon bewusst nicht auf eine Serie, auf ein erkennbares malerisches Konzept angelegt, sondern der Vielfalt seiner Malerei und der malerischen Möglichkeiten insgesamt Raum gegeben. Besonders zum Ausdruck kommt die souveräne Bewältigung auch monumentaler Bildformate und die sehr zeitgenössische Darstellung von Kräften und visuellen Erfahrungen unserer Gegenwart gerade im Medium der Malerei. Insgesamt werden auf den Gemälden alle Buntfarben durchgespielt. Die Hängung der Bilder im Pavillon ist auf Dialoge über die Unterschiedlichkeit der Gemälde hinweg aufgebaut.
„Ich habe mich für Herbert Brandl entschieden, weil er sich seit Jahren ein Werk von Weltrang erarbeitet hat und eine große Risikobereitschaft zusammen mit einem überaus sicheren künstlerischen Gefühl besitzt. Das volle Risiko, das ich insgeheim von ihm erwartete, ist Herbert Brandl auch bei der Umsetzung des Pavillons eingegangen. Es ist in gewisser Weise völlig verrückt und gewagt, eine Ausstellung in diesem Pavillon über derart unterschiedliche Bilder und Formate anzugehen. Dies zeigt aber die Dimension, die Brandl seiner künstlerischen Arbeit gibt. Das Ergebnis ist eines der dichtesten, vielfältigsten und in der Erinnerung nachwirkenden Erlebnisse der Malerei, denen ich überhaupt begegnet bin“, meint Robert Fleck, Kommissär des österreichischen Pavillons der 52. Internationalen Kunstausstellung der Biennale von Venedig.
Ein im Freien hängendes Gemälde bezieht den Innenhof des Pavillons – ursprünglich als Skulpturenhof angelegt – in die Ausstellung ein. Dies schafft - ungeachtet des länglichen Grundrisses der Hauptsäle des Pavillons - eine freie Zirkulation zwischen den Bildern und zwischen den räumlich gleich berechtigten Sälen im Innen- und Außenraum.
Für die Ausstellung wurden im Innenraum des österreichischen Pavillons mehrere architektonischen Modifikationen vorgenommen. In den beiden großen Haupträumen wurde das „Velum“ (weiße Textilfläche) wieder angebracht, die Josef Hoffmann, der Architekt des Pavillons im Jahre 1934, in seiner Zeit als österreichischer Biennale-Kommissär (1948-1956) verwendete. Im gesamten Pavillon wurde ein neuer, hellgrauer Boden eingezogen, um das venezianische Licht und die Wand- und Bilderfarben besser zur Wirkung kommen zu lassen. Die Eingangssituation wurde völlig umgebaut, um beruhigte Situationen für die Malerei zu schaffen. Der von Josef Hoffmann 1954 konzipierte Innenhof wurde durch das im Freien hängende Gemälde in die Ausstellung einbezogen.
Die Gemälde sind sowohl dem abstrakten als auch dem figurativen Bereich zuzuordnen. Die durch die ständige Gradwanderung zwischen beiden Tendenzen geschaffenen Möglichkeiten kommen in den Bildern für Venedig intensiv zum Ausdruck. Die auf den ersten Blick gegenstandslos wirkenden Gemälde lassen figurale Bildgedanken – in den meisten Fällen durch distanzierte Erinnerung an fotografische Bilder - durchscheinen. In der Malerei dieses Jahrzehnts, die von einem scharfen Gegensatz von figurativen und abstrakten Ansätzen beherrscht wird, stellt Brandls persönliche Aufhebung dieses Gegensatzes, seine souveräne Verbindung von Abstraktion und Figuration eine bedeutende Vision über die reine Aktualität des Mediums hinaus dar.
Künstler: Herbert Brandl, geb. 1959 in Graz (Steiermark), lebt in Wien. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen. Beteiligung an der „documenta 9“, Kassel 1992. Seit 2004 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf.
Kommissär: Robert Fleck, geb. 1957 in Wien. Österr. Bundeskunstkurator 1991-1993. Seit 2004 Direktor der Deichtorhallen Hamburg. Mitglied der Auswahlkommission für den französischen Pavillon in Venedig (2003 Vorschlag Annette Messager und 2006 Vorschlag – mit Christine Macel – Sophie Calle).
⇒ Der österreichische Pavillon
⇒ Künstler und Kommissäre der letzten 30 Jahre
⇒ Wie entsteht ein Biennale-Pavillon? (Jan. 2007)
⇒ Was bringt ein Nationalpavillon? (Feuilleton, Februar 2007)
⇒ Geschichte des österreichischen Pavillons an der Biennale in Venedig (Feuilleton März/April 2007)
⇒ Herbert Brandl - Österreichischer Pavillon - 52. Internationale Kunstausstellung - La Biennale di Venezia












