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![]() Gespräch mit Herbert Brandl im November 2007 Robert Fleck: Gestern wurden die Bilder in Venedig abgehängt und verpackt. Bei grauem Himmel und Regen war dies ein wenig traurig. Wenn man jetzt Deine Ausstellung in Innsbruck betritt und die neuen Bilder sieht, die nach der Biennale entstanden sind, so sagt man sich: "Es ging bei Dir nach der Biennale ungebremst weiter, und genauso dynamisch!" Oft haben Künstler ja nach der Biennale eine schwierige Zeit. Du hast dagegen an die Bilder für Venedig nahtlos angeknüpft. Herbert Brandl: Ich war tatsächlich nicht "erschöpft" durch die Eröffnung der Biennale, denn da hatte ich ja nicht wirklich Stress, sondern ich war total fertig. Da ich im Oktober 2006 meine geplanten Ausstellungen verschieben konnte, hatte ich mir eine freie Bahn. RF: Viele Besucher waren von der Intensität Deiner Arbeiten in Venedig beeindruckt. Beim Aufbau der Ausstellung waren wir auch überrascht davon, wie das venezianische Licht auf Deine Bilder einwirkte. Dinge, die im Atelier in Wien gar nicht zu sehen gewesen waren, traten in Erscheinung HB: In meinem Atelier in Wien herrscht das graue Wiener Licht, mit wenig Rotanteilen. Die Farben bleiben verhaltener. Man nimmt eher die Oberfläche des Bildes wahr. In Venedig dagegen beginnen die Farben durch das unglaublich starke, rote Licht und durch die hohe Luftfeuchtigkeit zu glühen. Bereits die große Malerei Venedigs stand ja damit in Zusammenhang. Hatte ich insgeheim mit dieser Wirkung gerechnet? RF: Hast Du die Bilder dann bereits in Wien auf diese Lichtwirkung in Venedig hin konzipiert? HB: Nein. Es war klar, dass gerade die Rottöne in Venedig viel stärker kommen würden als die Grün- oder Blautöne. Der Unterschied in der Wirkung der Bilder zwischen Wien und Venedig war krass, so dass wir das größte Bild wieder abhängen mussten. Das Bild wurde völlig dekorativ, während es in Wien fast brüchig, blass, grau erschienen war. Peter Weiermair: Du bist zudem mit einem Bild ins Freie gegangen. Das war ungewöhnlich, auch für die Biennale. Zum ersten Mal hing ein Bild im Außenraum, ungeachtet dessen, was damit passierte. Es war ja kein Dach darüber. HB: Das Bild blieb ungeschützt, ohne Firniss, ohne Dächlein, ohne Dach. Aber es hat durchgehalten, ein Bild mit „wilderness skills“ – ein Wunder der Kunst. RF: Dieses Bild ist ein „verrücktes“ Bild, weil es aus drei unterschiedlichen Bildansätzen besteht, die nicht endgültig zusammengeführt sind. Wir hatten in Venedig versucht, die 'harmonischeren' Bilder an diese Wand zu hängen. Doch interessanterweise war dieses dysharmonische Bild im Außenraum viel besser. HB: Freunde hatten mir abgeraten, das Bild überhaupt nach Venedig mitzunehmen. Publikum: Wie gingen Sie mit der Gefahr um, dass das Bild beschädigt werden könnte? HB: Mich hat es einfach interessiert. Und wenn ich es schon aussetze, dann nehme ich alles in Kauf. Ich rechnete viel mehr mit Attacken von Sprayern und mit mehr Taubenscheiße (lacht). Die Restauratoren meinten, es halte keine vier Wochen in der Sonne aus. Das Bild hat sich über die fünfmonatige Laufzeit der Biennale durchaus verändert. Es bekam keine Sprünge, der Regen hat einige Stellen ausgewaschen. Manche Teile sind stärker hervorgetreten. Andere sind sanfter geworden. Ich hatte schon auf der documenta 9 im Jahre 1992 ein Bild im Freien, ein Außenseiterbild. In Kassel regnete es viel, das Bild aber blieb einwandfrei. Ölmalerei hat ja auch etwas von einem Schutzanstrich. RF: Im Vorjahr war die Entscheidung für die Leinwandgrößen vielleicht die wichtigste vorbereitende Entscheidung für Deinen Biennale-Beitrag überhaupt. Die Leinwände standen mehrere Wochen lang im Atelier herum. Damit begann sich das Ganze allmählich zu entwickeln. HB:. Ich wollte keine „Monumentalformate“, aber auch keine geschickte Hängung mit kleinen Formaten. An das Format habe ich mich sozusagen herangetastet. Obwohl die großen Bilder in einem einzigen Durchgang gemalt werden, gibt es zuvor eine beträchtliche Vorbereitungszeit. Bis ich zu einer Farbentscheidung komme, dauert es oft qualvolle Ewigkeiten. Ich weiß nicht, was da so lange dauert und es ist lästig. RF: Wie geht es jetzt weiter? Hast Du ein Programm? HB: Nein, keine Ahnung! RF: In den nächsten Monaten kann es also in unterschiedlichste Richtungen gehen? HB: Schon möglich. Ich komme sicher auf ganz andere Ergebnisse, z. B. Zwerge statt Berge. Das Gespräch wurde anläßlich der Eröffnung der Ausstellung "Herbert Brandl" in der Galerie Thoman, Innsbruck, am 24.11.2007 geführt. ⇒ Biografie ⇒ Bibliografie ⇒ Peter Pakesch an Herbert Brandl ⇒ Julian Heynen über Herbert Brandl ⇒ Herbert Brandl im österreichischen Pavillon 2007 ⇒ Herbert Brandl im Gespräch mit Hans Ulrich Obrist ⇒ Achille Bonito Oliva über Herbert Brandl ⇒ Martin Prinzhorn über die Malerei von Herbert Brandl ⇒ Norman Rosenthal über Herbert Brandl ⇒ Interview mit Herbert Brandl (Mai 2007) ⇒ Gespräch mit Herbert Brandl im November 2007 |