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Gespräch mit Herbert Brandl im November 2007

Liebe Kunstfreunde,

Die Ausstellung ist abgebaut. Der Pavillon wurde winterfest gemacht. Die Bilder sind wieder im Atelier eingetroffen und gehen vor dort aus ihre Wege. Die 52. Internationale Kunstausstellung der Biennale von Venedig ist seit dem 21. November beendet. Im Namen des Künstlers, Herbert Brandl, und aller Beteiligten möchte ich mich ganz herzlich bei den politischen Verantwortlichen, bei allen Kunstfreunden und bei den unzähligen BesucherInnen für die gute Aufnahme und Unterstützung bedanken, die die Ausstellung von Herbert Brandl im österreichischen Pavillon anlässlich dieser Kunstbiennale gefunden hat.

Worum geht es bei der Ausstellung in einem Nationalpavillon in Venedig? Zu aller erst bedeutet eine Einzelausstellung an diesem Ort eine der größten Herausforderungen, die ein Künstler oder eine Künstlerin auf dem Werdegang vorfinden kann. Herbert Brandl hat sich sofort nach der Einladung im Herbst 2006 entschieden, sich voll und ganz auf diese Aufgabe zu konzentrieren. Die Anfang 2007 binnen weniger Wochen entstandenen Bilder wirken denn auch wie aus einem Guss bei großer Vielfalt, da nicht ein Konzept sie verbindet, sondern eine Energie oder der Schwung einer besonders intensiven Malphase, die unterschiedlichste Bildideen und Bildlösungen ermöglichte. Herbert Brandl hat die schwierige Aufgabe „Nationalpavillon“ innerhalb seines eigenen Werdegangs bravourös bewältigt. Besonders schön ist darüber hinaus zu sehen, dass er auch im Gefolge ebenso intensiv und innovativ weiterarbeitete und nun den „Schub“ der Biennale in seine neuen Arbeiten zu übernehmen verstand. Sein Werk ist derzeit völlig offen. Es lässt eine besondere Kraft verspüren, sodass man auf die folgende Entwicklung nur umso gespannter sein kann.

Darüber hinaus vermag eine Ausstellung in einem Nationalpavillon auf der Biennale im besten Fall – wie kaum ein anderes Forum der aktuellen Kunstwelt – die internationale Bedeutung des Werks eines Künstlers oder einer Künstlerin breit und dauerhaft bewusst zu machen. Die überaus zahlreichen positiven Reaktionen von BesucherInnen, besonders aber auch von Museumsleuten, Sammlern und Kritikern auf die Ausstellung von Herbert Brandl im österreichischen Pavillon haben in dieser Hinsicht sowohl dem Künstler als auch dem Team den Rücken mehr als gestärkt. Besonders erfreulich ist eine Reihe von nun anschließenden, internationalen Projekten, die sich über die kommenden Jahre erstrecken werden. In diesem Zusammenhang ist es auch sehr erfreulich, dass eine ganze Reihe der für Venedig geschaffenen und an der Biennale ausgestellten Werke ihren Weg in bedeutende und öffentlich zugängliche Sammlungskomplexe finden werden.

Im gleichen Maß aber dient die Einzelausstellung eines Künstlers oder einer Künstlerin in einem Nationalpavillon, wenn sie positiv verläuft, auch allen anderen Künstlern und Künstlerinnen des Landes. Insbesondere auf dem internationalen Terrain wird man – auch wenn man ganz andere Medien verwendet – ernster genommen, wenn das eigene Land auf weltweiten Foren wie der Biennale von Venedig eine beachtete Rolle spielt. Der Umstand, dass dies im österreichischen Pavillon in den letzten zwei Jahrzehnten in den meisten Fällen gelang, erhöht nochmals die Herausforderung für die unmittelbar Beteiligten. Die schönste Nachricht kam in dieser Hinsicht im Sommer aus Wien und den Bundesländern, da mehrere KünstlerInnen unterschiedlicher Richtung erzählten, sie hätten durch die gute Stimmung, die auf Grund dieser österreichischen Beteiligung entstanden sei, ein deutlich höheres Interesse an ihrer Arbeit – auch international – verzeichnen können.

Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass mit dem Goldenen Löwen für den ungarischen Nationalpavillon und Andreas Fogarasi – der ersten derartigen Auszeichnung für einen österreichischen Künstler überhaupt in Venedig – die Lebendigkeit und das Potential der österreichischen Kunstszene noch auf ganz andere und nachdrückliche Weise unterstrichen wurde. Unsere herzliche Gratulation an Andreas Fogarasi!

Die 52. Kunstausstellung der Biennale von Venedig wurde von 10. Juni bis 21. November 2007 von 319.332 BesucherInnen besichtigt. In der österreichischen und internationalen Presse erschienen mehr als 200 Beiträge über die Ausstellung von Herbert Brandl im österreichischen Pavillon. Der Katalog wurde auch in Venedig selbst überdurchschnittlich gut verkauft.

Unser Dank gilt dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, der Kunstsektion und Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied für die Ermöglichung der Ausstellung, dem Lebensministerium für die Unterstützung der Eröffnung, Herbert Brandl für die packende und intensive Zusammenarbeit, Daniela Stern für die überaus kompetente Leitung des Biennale-Büros in Wien, Annette Toggenburg für ihren engagierten Einsatz, Angelika Leu-Barthel für die Pressearbeit, dem technischen Team in Venedig, Peter Raich und André Liniewitsch, dem Restaurator Peter Hanzer, dem Katalogteam Daniel Egg und Loys Egg, dem Verlag Hatje Cantz, den Galerien von Herbert Brandl – Heinrich Ehrhardt, Bärbel Grässlin, Sabine Knust, Rosemarie Schwarzwälder, Elisabeth & Klaus Thoman –sowie dem Team der Deichtorhallen Hamburg.

Insbesondere aber möchten wir uns bei allen LeserInnen und Interessenten für die vielfältige Reaktion und Unterstützung bedanken.

Mit freundlichen Grüssen,

Robert Fleck
Österreichischer Kommissär für die 52. Kunstbiennale in Venedig 2007


Gespräch mit Herbert Brandl im November 2007

Robert Fleck: Gestern wurden die Bilder in Venedig abgehängt und verpackt. Bei grauem Himmel und Regen war dies ein wenig traurig. Wenn man jetzt Deine Ausstellung in Innsbruck betritt und die neuen Bilder sieht, die nach der Biennale entstanden sind, so sagt man sich: "Es ging bei Dir nach der Biennale ungebremst weiter, und genauso dynamisch!" Oft haben Künstler ja nach der Biennale eine schwierige Zeit. Du hast dagegen an die Bilder für Venedig nahtlos angeknüpft.

Herbert Brandl: Ich war tatsächlich nicht "erschöpft" durch die Eröffnung der Biennale, denn da hatte ich ja nicht wirklich Stress, sondern ich war total fertig. Da ich im Oktober 2006 meine geplanten Ausstellungen verschieben konnte, hatte ich mir eine freie Bahn.
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